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Samstag, 2. August 2014

24 Stunden MTB Rennen Schötz - als Einzelfahrer (2. Rang Masters bei der Premiere)

Weniger als ein Monat ist vergangen seit der 7 tägigen Tour Transalp und schon das nächste Highlight, Rainer als Einzelfahrer beim 24 Stunden MTB Rennen in Schötz und Sabine als Betreuerin.

Als 24 Stunden Neulinge wussten wir nicht so genau was wir alles fürs Fahrerlager mitnehmen sollten. Aufgrund des erwarteten Regens versuchte ich noch kurzfristig einen Transporter zu mieten, aber ohne Erfolg. So mussten halt die bestehenden Mittel ausreichen!

Unser Fahrerlager: grünes Party-Zelt in Kombination mit Auto

Um ca. 10:00 kamen wir in Schötz bei unserem zugewiesenen Platz an und man begrüsste zuerst mal die netten Nachbarn. Als wir sahen, was da so installiert wurde fragten wir uns schon, ob unsere Einrichtung nicht zu spärlich ist. Das Zelt war schnell aufgebaut und die Sachen geordnet (zu der Zeit wussten wir bereits dass ein paar Sachen mehr nicht schlecht wären; das nächste Mal dann :-) ).

Nach Pasta-Essen und Startnummer abholen galt es noch die restlichen Vorbereitungen für das Rennen zu treffen sowie sich noch ein wenig auszuruhen. Mein Plan war mal die ersten 4 Stunden durchzufahren. Was ich in der Nacht machen werde, wusste ich zu der Zeit noch nicht (mein Gedanke war so ca. 3-4 Std am Stück auszuruhen).

24 Stundenrennen Schötz heisst:
Auf spektakulärem 5 km langem Rundkurs mit 70 Höhenmetern mit mehreren Steigungen und „Single-Trail“-Abfahrten sowie drei künstlichen Brückenüberführungen während 24 Stunden Runden zu fahren.

Dann endlich rückte der Start näher. Als Einzelfahrer habe ich mich sehr weit hinten im Starterfeld eingereiht.
Um 14:00 erfolgte der Startschuss bei (noch) sonnigem Wetter. Von Beginn an wurde ein sehr hohes Tempo gefahren und es bauten sich zwischen einigen Teams harte Zweikämpfe auf. Auch gab es einige Stürze. Als Einzelfahrer nahm man es sich ein wenig gemütlicher. Trotzdem fuhr ich die ersten Runden auch schneller als ich sollte. Ich habe mich für das Hardtail entschieden und nur bei einer Panne würde ich aufs Fully wechseln.

Anfeuern durch Ursi  - ich noch fit, noch schönes Wetter
Die Strecke war gut zu fahren und erlaubt mir relative konstante Rundenzeiten (die ersten 40 km in 13:33, 13:29, 13:54,13:42,13:37,13:50,13:56,13:31). Auch die Betreuung durch Sabine (und auch durch Hansjörg, Franziska) hat sich in der Zwischenzeit sehr gut eingespielt, wir waren ja beide Neulinge in dem Metier.

Nach 3 Std 51 waren die ersten 80 km geschafft und ich fühlte mich noch recht gut ausser einem kleinen Ziehen im Nacken sowie ein Druck von den Pedalen vor allem im rechten Schuh. In der Zwischenzeit war ein grosses Donnern zu hören und der Wind frischte auf. Die schwarzen Wolken am Himmel verheissten nichts Gutes. Dann nach ca. 5 Stunden Fahrzeit und knapp 100 km setzte strömender Regen ein und verwandelte die Strecke in eine regelrechte Schlammschlacht. Vor allem die Wiesenpassagen wurden stark aufgeweicht, was fahrerisches Geschick und extrem viel Kondition abverlangte. Die Feldwege wurden immer weicher und die Löcher in den Singletrails immer tiefer. Ich war natürlich zu der Zeit irgendwo auf der Strecke und bis ich die Regenjacke anziehen konnte war ich bereits klatschnass. Die Rundenzeiten waren dadurch natürlich höher und das Bike wurde immer schwerer durch den Dreck. Auch breitete sich langsam die erste Müdigkeit aus. Zu dieser Zeit befand ich mich auf dem 4. Zwischenrang bei den Masters.

Gegen 21:00 Uhr liess der strömende Regen endlich nach. 30 Minuten später (bei km 140) rutschte ich beim Ueberqueren einer der Brückenüberführung aus dem rechten Pedal und konnte nur durch Geschick einen schmerzhaften Sturz vermeiden. Die Folge davon bemerkte ich erst ca. 500 Meter später, einen Platten. Super, keine Pumpe dabei und noch fast 4.5 km bis ich wieder zurück war. Ein wenig Luft war noch drin (ich fahre schlauchlos) aber das Fahren wurde immer schwieriger und ich eierte richtiggehend rum. Der Streckenposten auf dem Motorrad war dann meine Rettung. Er hatte eine Mini-Pumpe dabei und nach gefühlten 1000 Pumpstössen wagte ich mich an die Weiterfahrt. Die Fahrt über die Brückenführungen wurden zur Lotterie, dass ich da schadlos durch kam grenzte an ein Wunder (die Cross Country Rennen im letzten Jahr haben da sicher betreffend Fahrtechnik geholfen). Dann endlich war ich nach einer gefühlten Ewigkeit zurück bei Sabine und mit Hilfe von Hansjörg wechselten wir auf das Fully (Wechsel von Startnummer, Lampe).


Mit Ausnahme von diesem Velowechsel und der Verpflegung war ich bis jetzt ohne Pause durchgefahren. In der Zwischenzeit hatte ich mich auf den 3. Rang vorgearbeitet. Um 22:30 erfolgte dann das Feuerwerk, welches super anzuschauen war. Ich hätte fast angehalten.

Kurz nach Mitternacht, also nach mehr als 10 Stunden Fahrt waren 35 Runden, d.h. 175 km absolviert was zu der Zeit Rang 2 bedeutete. Eigentlich wollte ich ein paar Stunden Pause machen, da ich gar kein Nachtmensch bin und nun kam der wohl schwierigsten Teil. Aber in Anbetracht des 2. Ranges und es ging mir noch relativ gut fuhr ich weiter meine Runden. Für Sabine war das auch nicht einfach, da sie dadurch auch nicht zum Ruhen kam (Sorry Schatz). Für ein wenig Abwechslung/Hilfe/Unterhaltung waren zum Glück noch Franziska und Hansjörg (welche Sämi R. betreuten) da. Die Wiesenpassagen waren fast nicht mehr fahrbar und ich machte auch ein paar Mal Bekanntschaft mit dem Boden. Aber der war relativ weich und so bekam ich nur noch mehr Dreck ab. Auch das Bike hat den Dreck angezogen und wurde dadurch immer schwerer.

Schlammbike (02:06 Uhr)























Tapfer drehte ich meine Runden in der dunklen Nacht, welche ausserhalb des Fahrerlagers nur durch die Lampen der Fahrer ein wenig aufgehellt wurde. Um 02:30, immer noch auf Rang 2 liegend, waren 40 Runden sprich 200 km gefahren. Die Rundenzeiten bewegten sich bei 23 Minuten, also fast 10 Min langsamer als zu Beginn. Dies lag aber auch daran, dass ich fast nach jeder Runde kurz anhielt um mich zu verpflegen sowie zum Schwatzen um mich wach zu halten. Ich weiss nicht wieviel Kaffee ich getrunken hatte, aber es waren einige Becher. Aus dem Bidon konnte/wollte ich nicht mehr trinken, da jeder Schluck ein Mix aus Iso, Sand und Schlammteilen war. 

Gegen 06:00 Uhr brach langsam der Tag an, noch maximal 8 Stunden zu fahren. Mehr als 240 km bzw. 16 Stunden  auf dem Bike hinterliessen ihre Spuren, mein Hintern begann zu schmerzen. Auch wollte der Kopf nicht mehr so richtig und so nahm ich mir immer ein wenig mehr Zeit mich zu verpflegen. Sämi ging es ebenso. Komischerweise fühlten sich meine Beine noch recht gut an. Angetrieben durch unsere Betreuer, teilweise Sklaventreiber, starteten wir doch immer wieder für eine weitere Runde. Ich war immer noch auf dem 2. Rang mit 9 Runden Vorsprung und so begann ich ein eher taktisches Rennen zu fahren. Auch ging ich mein Velo waschen um es von dem vielen Dreck und Gras zu befreien. Die Zeit war gut investiert, da das Kurbeln dann viel einfacher ging. 
Ich wurde immer wieder überrascht durch Besuche. Am späteren Samstag Nachmittag kam Ursula mehr-oder-weniger direkt von den Ferien, dann in der Nacht Joli und Adrian, am frühen Morgen Miggu und später dann noch Monika, Fritz, Björn und Finja. An der Strecke waren auch noch Gabi und Markus sowie Fritz. Ganz herzlichen Dank. Als Einzelfahrer wurde ich auch sehr viel angefeuert von den Zuschauern, wir waren die wahren Helden ;-).
Eine der Brückenüberquerung (wo ich mir den Platten holte) - im Hintergrund Miggu (Foto 07:20 Uhr)

Die nächsten Stunden wurden zum grossen K(r)ampf. Sitzen auf dem Bänkli war so gemütlich. Auf dem Bike konnte ich fast nicht mehr sitzen, bin viel im Stehen gefahren. Die Ursache waren grosse Schürfungen an den Po-Backen durch das Reiben wegen Dreck und Nässe. Ich hätte wohl die Hose wechseln müssen. Die Regenjacke habe ich am Morgen ausgezogen und auch ein neues Shirt angezogen.

Gemütliches Sitzen auf dem Bänkli - Sonntag, um 10:30 Uhr (noch 3.5 Std)
Hinter mir fand ein Zweikampf um den 3. Rang statt, was mich auch dazu nötigte weitere Runden zu fahren. Der respektable Vorsprung von 9 Runden war in der Zwischenzeit auf 6 gesunken. Aber mir war bereits um 12:00 Uhr klar, wenn ich noch ein 1-2 Runden fahre, kann ich gar nicht mehr eingeholt werden. Genau zu der Zeit wo ich für eine weitere Runde starten wollte, öffnete der Himmels nochmals seine Schleusen und so wartete ich weiter.

Um 13:30 machte ich mich dann auf für die Schlussrunde. 2 Mal hielt ich an um die Zieleinfahrt zu timen um ja nicht vor 14:00 durchs Ziel zu fahren, ansonsten ich nochmals eine Runde hätte fahren können/müssen. Auch Sämi wartete. Um kurz nach 14:00 fuhren wir beide ins Ziel, stolz, müde, abgekämpft, dreckig und nass.

nach Zieleinfahrt

War das ein Erlebnis. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mehr-oder-weniger die ganze Zeit auf dem Bike sein würde. Vor allem dass ich die Nacht durchgefahren bin, macht mich sehr stolz. Dass ich das Rennen dann noch auf dem 2. Rang (mit 4 Runden Vorsprung) bei den Masters beendet würde, wäre mir nicht mal im Traum in den Sinn gekommen.

Fazit / Zahlen:
315 km und fast 5'000 Höhenmeter - eine unvorstellbare Leistung
2. Rang Einzelfahrer Masters
Ernährung:
- Schinkenbrot
- Kuchen
- Kaffee
- Bouillon
- Bananen, Orangen
- Iso
- Rivella, Cola


Vielen Dank an all die Zuschauer, Streckenposten, Helfer und die Mitstreiter für das Anfeuern und der immer wieder aufmunternden Worten. Auch bedanke ich mich ganz herzlich bei Franziska und Hansjörg, den Betreuern von Sämi, welche auch Sabine und mich unterstützt haben. Einen speziellen Dank an Sämi, welcher einen grossen Anteil hatte, dass ich die Nacht durchgefahren bin und keine Pause machte.

Mein allergrösster Dank geht jedoch an meine Sabine. Sie hat mich super betreut, konnte sich nie ausruhen und musste meinen Wünschen nachkommen. Danke Schatz - love you.

Wie geht es mir ?
Der Schlaf-Wach-Rhythmus war in den letzten Tagen ein wenig gestört, aber hat sich nun normalisiert und die Schürfungen am Hinter schmerzen auch nicht mehr so sehr.

Ob ich so was jemals wieder machen werde ? Ich denke nicht, aber man(n) weiss ja nie ...


Aus Rennbericht Veranstalter:
Allen Fahrern gebührt unter diesen extremen Bedingungen unser grösster Respekt.