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Freitag, 11. Juli 2014

Tour Transalp: 823 km, 19 Pässe, +19'300 /- 20'000 Höhenmeter

Regen, Schnee und Hitze

Das Ueker Ehepaar Sabine und Rainer Christ absolvierte die Tour Transalp


Die Tour Transalp zählt zum faszinierendsten und spektakulärsten Rennrad-Etappenrennen Europas für Jedermann! Bei der zwölften Austragung des legendären Wettbewerbs über die Alpen galt es, rund 823 km und fast 20.000 Höhenmeter im Aufstieg und Abstieg zu bewältigen. Die Torturen nahmen auch das Ueker Ehepaar Sabine und Rainer Christ auf sich.

600 Zweier-Teams aus 24 Nationen starteten bei strömendem Regen am 29. Juni 2014 zur Auftakt-Etappe von Mittenwald nach Sölden über 115 km und 2.475 Höhenmeter. Zuerst via Leutasch und Buchener Höhe hinab ins Inntal und einige Kilometer später begann dann schon die Auffahrt zum ersten Gradmesser der 2014er Transalp-Auflage, dem Kühtai. Auf 1.400 Höhenmetern Anstieg warteten einige nicht zu unterschätzende Rampen. Der Kühtai fährt sich von Kematen aus sehr unrhythmisch. Wer seine Kräfte nicht richtig einteilt, wird die Länge des Passes im oberen Abschnitt unbarmherzig zu spüren bekommen.
Rasant vorsichtig fuhren wir bei regennasser Strasse vom Pass in rund 2000 Metern Höhe hinab ins Ötztal. Die letzten 40 Kilometer von Oetz nach Sölden zerrten an unseren Kräften, weil es stets bergauf ging. Völlig durchnässt vom Dauerregen erreichten wir nach 5.5 Std. den Zielort Sölden. Endlich im Hotel hauchte eine heisse Dusche wieder Leben in unsere durchgefrorenen und schlotternden Glieder ein. Diese erste Etappe hat uns bereits einiges abverlangt und wir waren gespannt auf die nächsten Etappen.

Timmelsjoch
 Auf der zweiten Etappe über 124 km und 3.000 Höhenmeter ging es ohne grosse Einrollphase von Sölden aus gleich 24 Kilometer und 1.300 Höhenmeter stetig bergauf in die erhabene Bergwelt der Ötztaler Alpen, hinauf zum Timmelsjoch. Zum Start leichter Regen, dann Schnee und Temperaturen um die 0 Grad Celsius auf der Passspitze des Timmelsjoch. Danach folgte auf den nächsten 30 km eines der anspruchsvollsten Teilstücke der Transalp; eine sehr kurvenreiche Abfahrt auf in den Fels geschlagenen Serpentinen ins Passeiertal nach St. Leonhard. Bodenunebenheiten sowie Rinnen in der Strasse  mahnten uns zum vorsichtigen Fahren. Daran hielt sich nicht jeder gab es doch schon einige Stürze.
Unten in St. Leonhard angekommen, blieb uns keine Zeit für grosse Verschnaufpausen, denn die Strecke führte direkt weiter in den 1.400 Höhenmeter langen Anstieg zum Jaufenpass, der nun aber deutlich bessere Wetterbedingungen bot. Die Auffahrt stieg glücklicherweise schön stetig und ermöglichte uns einen guten Rhythmus zu finden. Nach der Abfahrt nach Sterzing ging es auf der Staatsstrasse bis Franzenfeste und dann über einen letzten kleinen Hügel in die wunderschöne Domstadt Brixen. Nach knapp 6 Std. Fahrzeit genossen wir unseren ersten Cappuccino bei schönem und warmem Wetter. Es geht doch!


Doch bereits am nächsten Morgen hatte sich das Wetter wiederum verschlechtert. Von Brixen ging es u.a. via Nebenstrassen übers Grödnerjoch nach St. Vigil. Die dritte Etappe mit 90km und 2.300 Höhenmeter sollte eigentlich unsere Reserven für die kommenden, anspruchsvolleren Tage schonen. Aber bereits vom Start weg verlief die Etappe hektisch und das sollte sich bis zum Schluss nicht ändern. Nach der Abzweigung auf eine der engen und steilen Nebenstrasse gab es sogar einen Stau. Die nächsten 100 Meter mussten wir zu Fuss absolvieren. Um ca. 12:30 passierten wir das Grödnerjoch und nun folgte eine 30 km lange Abfahrt nach Zwischenwasser. Auf den letzten 4 km nochmals 200 gemeine Höhenmeter ins Ziel nach St. Vigil, welches wir nach knapp 4.5 Std. gerade noch vor dem Beginn des Regens erreichten. Morgen folgt dann die Königsetappe.

Nun ist sie die da: die Königsetappe über 5 Pässe, 155 km und 3.500 Höhenmeter. Aufgrund der Länge dieser 4. Etappe erfolgte der Start bereits um 08:00, also eine Stunde früher als sonst. Regen auf den ersten 70 km und Temperaturen um die 10 Grad Celsius erschwerten die Bedingungen für uns alle und stellte hohe Anforderungen an Physis und Psyche. Zwischen km 20 und 50 hatte Sabine richtig die Schnauze voll von diesem Wetter und wäre am liebsten vom Rad gestiegen. Das schlechte Wetter verdeckte leider auch die Sicht auf die berühmten Drei Zinnen und bis jetzt hatten wir überhaupt nicht viel von der schönen Umgebung gesehen.
Vom bekannten Ort Cortina d’Ampezzo ging es rund tausend Höhenmeter hinauf zum Passo Giau. Plötzlich eine Aufregung; Sabine entdeckte neben der Strasse ein grosses Transparent mit unseren Namen. Auf den nächsten Kilometern weitere verschiedene Namens-Transparente und Bilder von uns. Dies setzte Kräfte frei und wir waren schon gespannt wer da wohl dafür zuständig ist. Uns war ja klar, dass es eigentlich nur Adam, mein Bruder, sein konnte. Und so war es auch. Kurz vor der Passhöhe war er mit dem Feldstecher bewaffnet und hat auf uns gewartet. Die Freude war riesengross. Danke Adam, das hat uns sehr geholfen! Nach einem kurzen Schwatz ging es auf die 40 km lange Abfahrt auf trockener Strasse nach Agordo. Dort wartete noch die Zugabe, die diese Etappe zur verdienten Königin der Transalp 2014 macht. Rund 1.000 Höhenmeter und 35 Kilometer über 2 Pässe sind noch zu bezwingen. Nach 7.5 Std erreichten wir müde aber happy das Ziel, wir waren Könige! In diesem Zusammenhang noch ein Auszug aus dem Reglement: Finisher ist, wer 6 der 7 Etappen absolviert hat. Das hat in der Mixed Kategorie scheinbar ganze 15 (!) Teams dazu bewogen, diese Etappe auszulassen um Kräfte zu schonen. Uns ist das egal, wir fahren alle der Etappen.

Nach der gestrigen Königsetappe ging es heute mit Sonnenschein auf der bereits 5. Etappe mit 123 km und 3.200 Höhenmeter nicht minder anstrengend weiter. Mit dem Passo Gobbera und dem Passo Brocon warteten heute gleich zwei Alpenpässe, die sportlich wie landschaftlich reizvoll waren. Durch abgelegene Bergdörfer führte die Strecke in der Abfahrt vom Passo Brocon hinab in die Schlucht des Flusses Cismon. Bei Fonzaso ging es über eine weitläufige Ebene mit Blick auf den bewaldeten Rücken des 1.674 Meter hohen Monte Grappa weiter bis zum Anstieg hinauf zum Cima Grappa. Über kurze Rampen mit stellenwiese bis zu 17 Prozent Steigung führte die Strecke hinauf zum Gipfel, der einen unvergleichlichen Blick in die Po-Ebene bereithielt. Die kurvige Abfahrt Richtung Semonzo über 22 Kehren erforderte bei uns noch einmal volle Konzentration. Über sechs Kilometer folgte anschliessend noch einmal ein letzter Anstieg über 130 Höhenmeter bis zum Ziel im idyllischen Crespano del Grappa in der Provinz Treviso welches wir nach ca. 6 Std. erreichten. Uns ging es eigentlich noch recht gut und der Gardasee kam jeden Tag ein Stück näher.


Nach der Königsetappe durch die Dolomiten am Mittwoch über 155 km sowie der gestrigen Etappe über 123 km folgte heute das zweitlängste Teilstück der Tour von Crespano del Grappa bis nach Rovereto. 142 km und 2.900 Höhenmeter galt es über drei Pässen zu bewältigen. Die Bedingungen für Etappe 6 waren absolut top: Bei Temperaturen bis 22 Grad Celsius und stellenweise nur leichter Bewölkung wurde es manchmal richtig heiss. Es sah auch sehr imposant aus als wir zusammen mit über 1.100 Rennradfahrer an einem Bahnübergang mehrere Minuten warten mussten bis es weiter ging. Nach einem kurzen Stück entlang des Flusses Brenta erwartete uns ab Valstanga der wohl skurrilste Anstieg der diesjährigen Tour Transalp. Über in Fels gehauene Serpentinenstrassen schlängelte sich das Feld von Kehre zu Kehre hinauf in die Sette Communi, einer altbayrischen Sprachinsel auf dem grünen Hochplateau um den Hauptort Asiago. Auf leicht kupierten Strassen hiess es dann erst einmal auf rund 1.000 Metern Höhe Kilometer machen. So wie es hinauf ging, führte die Strecke auch bergab: Eine ebenso kurvige wie atemberaubende, in steilen Fels geschlagenen Abfahrt führte uns nach Arsiero. Hier begann schliesslich der zweite, sogar anspruchsvollere Anstieg dieser Etappe hinauf zum weitläufigen Hochplateau von Luserna, Folgaria und Lavarone. Über die 22 Kilometer lange Strecke bis zur Valico di Valbona waren noch einmal 1.500 Höhenmeter zu bewältigen. Weiter ging es über eine weitläufige Alm-Landschaft mit freiem Blick über den Passo Coe nach Serrada. Durch einige historische Bergdörfer führte die Strecke schliesslich hinab bis nach Rovereto. Nach 6 Std. 19 min. war auch diese Etappe geschafft.

Bei Sonnenschein und Temperaturen um die bereits 28 Grad Celsius wurden wir heute um 9.00 Uhr auf die 78 Kilometer kurze Strecke nach Arco geschickt. Drei Pässe und 2.074 Höhenmeter galt es noch bis zum finalen Ziel zu überwinden. Mit dem heutigen Finale geht eine Tour Transalp zu Ende, die den Legendenstatus von Europas spektakulärstem Rennrad-Etappenrennen für Jedermann unterstreicht.  Nach einer flachen Einrollphase entlang der Etsch, ging es von Avio über einen anfänglich recht steilen Anstieg hinauf nach Brentonico auf der Rückseite des Monte Baldo. Im Anschluss folgte die Abfahrt nach Mori durch einen Umgehungstunnel in den letzten Anstieg Richtung Passo S. Barbara. Auf dem Weg dahin stellte sich uns noch der kleine, aber fiese Monte Faé in den Weg, der gerade kurz vor der Passhöhe noch einige harte Rampen bereithielt. Eine Steigung von 18 % auf den ca. 2 letzten Kilometern sowie Temperaturen über 30 Grad zerrten ganz schön an unseren Kräften. Doch dann war auch dieser Pass geschafft und nur noch einer von ursprünglich neunzehn stellte sich uns in den Weg zum Ziel in Arco. Nach einer kurzen Abfahrt ging es auf die letzten 500 Höhenmeter der Transalp hinauf nach Santa Barbara. Am 5. Juli 2014 um 12:22 war Pass Nr. 19 erreicht, Arco wir kommen!  Auf einer rund 15 Kilometer langen Abfahrt über eine enge, verschlungene Straße ging es nach Bolognano, gut zwei Kilometer vom endgültigen Ziel in Arco entfernt. Auf den letzten paar Kilometer liessen wir unseren Emotionen freien Lauf. Die Strapazen sowie das schlechte Wetter waren vergessen.  Nach 3 Std 35 min fuhren wir gemeinsam in Arco ins Ziel, wir sind FINISHER!

 
Fazit:
Diese Transalp hat uns einiges mehr abverlangt als dazumal beim Transalpine Run. Gründe dazu sind: Wetter (viel Regen, Schnee, dann aber auch heiss), Unterkunft meistens nicht im Ort, sehr früh aufstehen bzw. sehr spät beim Hotel, Materialcheck / -pflege, viel hektischer beim Start / beim Fahren; viel gefährlicher (es gab einige Unfälle; gesehen haben wir ein paar davon u.a. ein Rad liegend unter einem Wohnwagen; daneben der Krankenwagen) und schlussendlich die relativ spärliche (Renn-) Praxis mit dem Rennrad. Das Wichtigste war ohne Unfall durchzukommen, was wir geschafft haben (manchmal ein Wunder, wenn man sieht wie da einige den Berg runter 20cm an einem vorbeiflitzen). Von 90 gestarteten Mixed-Teams fuhren wir mit einer Zeit von 39 Stunden 26 Minuten 55 Sekunden auf den guten 43. Schlussrang. Wie bereits beim Transalpine Run haben wir uns von Etappe zu Etappe gesteigert, vom 61. Rang in der ersten Etappe auf den 34. Rang in der Schlussetappe.
Während dieser eindrücklichen sieben Tage durften wir die Bekanntschaft von ein paar netten Menschen machen, die wir hoffentlich wieder einmal sehen werden. An dieser Stelle einen Genesungsgruss an Oliver, welcher leider auf der 5. Etappe schwer gestürzt und sich verletzt hat.

Die vielen Eindrücke und das Erlebte in Worte zu fassen, sei sehr schwer, betonen die christrunners. Auf jeden Fall sei es ein grandioses, sehr anstrengendes aber absolut fantastisches Abenteuer gewesen. „Mir fehlt nun nur noch die Bike Transalp (mit MTB)“, so Rainer Christ.





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