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Dienstag, 16. Juni 2015

LGT Marathon Liechtenstein

Nach fast 3 Jahren wollten wir uns dieses Wochenende mal wieder an einen Marathon heranwagen. Für uns kam nur ein Bergmarathon in Frage und der LGT Marathon in Liechtenstein ist eine kleine und sehr feine Veranstaltung, so fiel uns die Wahl nicht schwer.
Die Vorbereitung verlief nicht immer ganz nach Plan, vorallem Rainer konnte nicht alle Trainings absolvieren, da er immer wieder Schmerzen in Knie hatte und zudem wollten wir auch unsere Rennräder und Mountainbikes nicht vernachlässigen :-) !

Nun war es soweit, bereits am Freitag Nachmittag reisten wir nach Liechtenstein und genossen den Nachmittag noch etwas in der recht verschlafenen und sehr warmen Stadt Vaduz. Um 17.00Uhr machten wir uns auf nach Bendern um unsere Startunterlagen zu holen. Dort trafen wir bereits auf das erste bekannte Gesicht - Wendy Widmer war auch schon vor Ort und meldete sich mit Freundin für die Staffel nach. Nachdem wir unsere Startnummern hatten, fuhren wir nach Malbun, wo das Ziel des Marathons war. Dort hatten wir für 2 Nächte ein Hotelzimmer gebucht. Es war sehr ruhig in dem kleinen Ort, nach ein wenig Suchen fanden wir ein Restaurant welches extra für Läufer einen Pasta-Plausch anbot. Dieses Angebot haben wir angenommen und unsere "Henkersmahlzeit" genossen. Um 21.00Uhr lagen wir bereits im Bett.

Nach einer stürmischen Nacht (sehr starker Wind) sind wir um kurz vor 6.00Uhr aufgestanden, haben gefrühstückt und sind um 7.00Uhr mit dem Shuttlebus nach Bendern zum Start gefahren - was für Temperaturen so früh am Morgen, es waren bereits knapp über 20 Grad, das konnte lustig werden. Auf dem Startareal war schon einiges los und immer mehr Läufer strömten auf das Gelände. Wir haben noch ein paar bekannte Gesichter getroffen und geredet und sind dann kurz zum Einlaufen. Ich hatte das Gefühl, dass ich gar nicht wach werde und konnte diesen Zustand nicht deuten. Auch war ich komischerweise fast nicht nervös wie sonst vor Wettkämpfen. Rainer konnte auch nicht wirklich sagen, was er an diesem Tag erreichen wollte, einfach laufen, wie weit und wie schnell würde sich dann zeigen.....


Ich stellte mich am Ende der ersten Hälfte ins Starterfeld und Rainer war weiter hinten. Er wollte es langsam angehen lassen und ich hatte mir das auch vorgenommen, obwohl etwas zügiger als Rainer sollte es sein (Anmerkung: 52:57 versus 58:18 bis nach Vaduz). 


Dann um 9.00Uhr fiel der Startschuss und wir waren unterwegs auf unseren 42.195km und 1'870hm nach Malbun. Die ersten 10km verlaufen flach am Rhein entlang nach Vaduz, hier war es doch ziemlich wichtig nicht allzuviel Gas zu geben. So lief ich immer mit Blick auf die Uhr und blieb relativ konstant bei einem Tempo von 5,10 - 5,15Minuten/km. Es lief super, ich fühlte mich richtig gut und die Müdigkeit von vor dem Start war weg. Einzig die heissen Temperaturen machten wir etwas Sorge, lief der Schweiss doch schon ziemlich und das bedeutet bei mir auch immer Salzverlust was zur Folge hat, dass ich Krämpfe bekomme. Meine Salztabletten hatte ich aber auf jeden Fall mit dabei. Wichtig war auch an jedem Verpflegungsposten genügend zu trinken, so nahm ich mir immer Zeit einen Becher relativ ruhig zu "geniessen".


Nach der Runde durch das Vaduzer Städtchen ging es dann gleich los in die Steigung und das nicht zu knapp. Die ersten Läufer um mich herum fingen bereits an zu Gehen, bei mir lief es noch sehr gut und ich trippelte in kleinen Schritten die ziemlich steile Steigung hoch bis es wieder flacher wurde. Wir liefen zwischen wunderschönen alten Villen vorbei dem Schloss Vaduz entgegen. Beim Schloss ging es dann nochmals kurz auf einer breiteren Strasse weiter bis wir nach links auf einen schmalen Singeltrail abgebogen sind. Irgendwann bin dann auch ich ins Gehen gewechselt weil es einfach weniger Kraft gekostet hat. Aus dem Wald raus ging es weiter über eine Wiese und dann kamen wir auf eine Teerstrasse, welche sich recht steil nach oben schlängelte. Hier bin ich praktisch nur noch gegangen wie alle Mitläufer/innen um mich herum. Endlich wurde es flacher und wir konnten wieder etwas laufen. Immer wieder hat es Zuschauer an der Stecke gehabt, welche uns angefeuert und unterstütz haben.



Da es sehr warm war wurden auch einige Getränkeposten mehr eingerichtet, was ich dankbar annahm. Ich bin vor lauter schwitzen nicht mehr nachgekommen mit der Flüssigkeitszufuhr und auch meine ersten Salztabletten habe ich bereits eingenommen, da die Wade verdächtig zwickte. Doch alles in allem lief es eigentlich sehr gut. Ich hatte sogar den 5Stunden-Pacemaker irgenwo hinter mir, doch dem traute ich nicht so ganz. Endlich hatte ich die erste Höhe geschafft, jetzt ging es zügig runter Richtung Steg wo der Zieleinlauf des Halbmarathon plus war, sowie die Wechselzone der Staffelläufer und für mich die ersten 25km geschafft! Der Durchlauf in Steg ist immer toll, da stehen viele Zuschauer und die Stimmung ist grossartig.


Nach Steg geht es etwas weniger steil aber immer schön in eine Richtung - nach oben! Ich hatte langsam zu kämpfen und musste immer wieder Gehen obwohl es eigentlich nicht sehr steil war. Der einzige Trost - meinen Mitläufern ging es ähnlich. Ab Kilometer 31 wurde es allmählich wieder steiler und es begann der letzte längere Anstieg zum höchsten Punkt des LGT Marathons. Hier kurz bevor es richtig in die Steigung ging, war eine Hütte und es gab ein paar Becher mit kaltem Wasser, ich konnte meinen Durst nicht mehr stillen und habe jede Gelegenheit zum Trinken genutzt. Ca. 3km mussten wir dann nochmals richtig steil hoch Richtung Sassförkle, ein Teil der Strecke auf einem schmalen Pfad und meist an der prallen Sonne. Ich wollte nur noch endlich oben sein und ich hatte solchen Durst. Am Ende des Singletrails war nochmals ein ausserplanmässiger Getränkeposten - der Himmel auf Erden! Die letzten Meter und ich war oben - aber noch lange nicht im Ziel. Es lagen noch etwa 8km vor mir.

Die nächsten 3km ging es abwärts und flach mit ein paar kleinen Gegensteigungen. Und dann hört man plötzlich den Speaker im Ziel von Malbun. Wie schön sich das anhört......aber nein, für mich sind es von dort nochmals 5km um den Talkessel von Malbun, dabei bin ich 200 Meter vom Ziel entfernt. Und nein, es ist nicht einfach nur flach, natürlich geht es nochmals auf einer breiten Strasse einige Meter höher und dann auf einem Singeltrail mit immer wieder kleinen Anstiegen auf die Ehrenrunde um Malbun.

Hier kam dann auch plötzlich wie aus dem Nichts der 5Stunden Pacemaker vorbeigerauscht. Ganz alleine war er unterwegs und bei dem Tempo dass er vorlegte auch kein Wunder. Der hat sich wohl gehörig verrechnet und versuchte jetzt noch Zeit wettzumachen....aber für wen? Ich wusste, dass ich die 5 Stunden leider nicht ganz knacken würde, war aber doch sehr zufrieden mit meiner Leistung. Aber nun zu den letzten Metern....


Bevor ich mich endlich nach Malbun runter "stürzen" konnte musste nochmals ein kleiner aber sehr giftiger Anstieg gemeistert werden. Die Läuferin vor mir hat sich hier einen Krampf im Oberschenkel eingehandelt. Ich hatte jedoch keine Kraft mehr um irgendwie zu helfen. Endlich war wirklich keine Steigung mehr zu bewältigen und es ging die letzten 2km nur noch runter dem Ziel entgegen. Ich konnte es in den steilen Passagen richtig laufen lassen aber sobald es flach wurde, war die Kraft weg aber das Ziel war nicht mehr weit und so habe ich auch die letzten flachen Meter gemeistert und bin mit einer Zeit von 5Std.1Min.26Sek. ins Ziel gekommen. Nicht meine schnellste Zeit aber nach dieser langen Pause vom Marathon und den heissen Wetterbedingungen bin ich doch sehr zufrieden mit dieser Zeit.

Schnell habe ich meine Sachen abgeholt und ich wollte sehen, ob ich was von Rainer herausbekomme. Ich habe mich kurz vor dem Ziel an die Strecke gestellt und wollte mich grad auf der Zwischenrangliste schlau machen, ob Rainer noch unterwegs war, da hat ihn der Speaker schon angekündigt. Ich konnte grad noch mein Handy auf Foto umstellen und schon ist er an mir vorbeigerauscht und mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 5Std.14Min.09Sek. ins Ziel gelaufen. Was für eine Überraschung (Anmerkung Rainer: eine richtige Wundertüte )! 
Herzlichen Glückwunsch, ich freu mich mit Dir!

Wir haben uns dann noch im Zielgelände ein kaltes Rivella gegönnt und  uns dann vor unserem Hotel gemütlich hingesetzt und dem Treiben zugeschaut. Auf der anderen Strassenseite war die Dul-x Massage und so bin ich kurz duschen gegangen und habe mir noch eine Massage gegönnt. Den Abend haben wir mit einem superfeinen Nachtessen ausklingen lassen.

Der Marathon hat mich/uns wieder! Es hat Spass gemacht und ich habe wieder gespürt, warum ich so gerne in den Bergen laufe. Und Liechtenstein ist wirklich immer  eine Reise wert - eine wunderschöne Veranstaltung mit viel Herz.




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