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Donnerstag, 22. April 2010

Strongman Run Weeze

Bereits sind einige Tage vergangen seit dem Strongman Run. In der Zwischenzeit konnte ich die Kommentare lesen, Kommentare abgeben, Fotos anschauen und meine runterladen. Ich war auch bereits wieder laufen und morgen ist schon der nächste Wettkampf, der Tüfelsschlucht Berglauf.

Mir hat der Strongman Run sehr gefallen, aber es gab doch einige gravierende Kritikpunkte:
  • die Strecke war mit 18 km angegeben, aber in Wirklichkeit war sie 23.4 km !
  • bei den Temperaturen um 21 Grad gab es genau 2 Verpflegungsstellen und für die hinteren LäuferInnen gab es scheinbar auch kein Wasser mehr (nur Cola)
  • die Anfahrt war für viele ein Geduldsspiel und einige hundert schafften es nicht rechtzeitig zum Start (die Startzeit wurde zwar verlängert; Start war von 12:00 bis 12:45), bei über 8'000 TeilnehmerInnen und ca. 40'000 Zuschauer kein Wunder
Wir sind ja bereits am Freitag angereist und haben in Arcen (Holland) übernachtet. Dies war ein sehr guter Entscheid, da wir von Westen nach Weeze fahren konnten und die Masse kam ja von Osten. So fuhren wir um ca. 09:15 vom Hotel weg und waren 09:45 auf dem Parkplatz. Dort stiegen wir in den Shuttlebus und um 10:00 waren wir im Start-/Ziel-Gelände.

Dort angekommen habe ich meine Tasche deponiert und durfte noch ein Interview geben. Ob es überhaupt verwendet wurde ?

Beim Spider's Web wechselten wir noch ein paar Worte mit Benno Kästli - Rennleiter Events bei Ryffel Running - und auch Verantwortlicher des Strongman Runs Switzerland. Wir haben uns ja als Schweizer zu erkennen gegeben und mein T-Shirt ist ja vom New York Marathon 2006 (Reise mit Ryffel Running), was ihm bekannt vor kam.
Ca. 1 Std. vor dem Start begann ich mit der mentalen Vorbereitung des Laufes und bin auch schon 45 min vor dem Start relativ weit vorne eingestanden. Kurz vor 12:00 ertönte dann aus den Lautsprechern Hells Bells von AC/DC, das war ein bewegender Moment.

Dann endlich, Punkt 12:00 der Startknall und los ging es. Die Meute setzte sich in Bewegung. Bereits auf den ersten paar hundert Meter war mir klar, dass auch die Laufpassagen nicht "normal" sind. Es hatte Löcher, Unebenheiten, Baumstumpfe, Pfosten und es wurde auch noch sehr eng, ein schnelles Vorwärtskommen war nicht möglich.
Nach 1.7 km dann das erste Hindernis (Danger Zone), 4x steil rauf und 4x steil runter, das ging in die Knochen. Nur 400m später durfte ich das selbe noch 3x machen, das war so als Zugabe (kein offizielles Hindernis) und dann 700m später nochmals 5x (Gimme Shelter).

Playa de Weeze (5 Meter Sandhügel) und Black Sea waren die nächsten Hindernisse, wobei die Black Sea einerseits eine willkommene Abwechslung war aber andererseits auch verdammt kalt.

Nach ca. 37 min dann Spider's Web, das Hindernis mit den meisten Zuschauern; auch Sabine, Jessica und Alisha standen dort. Das Gedränge war gross und auch hatten einige sehr grosse Mühe da runterzukommen.


Aber ich habe keine Mühe und auch keine Angst und so konnte ich relativ zügig das Hindernis überwinden. Dann endlich die Verpflegung. Wegen der Wärme und dem trockenen Boden gab es viel Staub zu schlucken. Dirty Dancing dann das nächste Hindernis; eine Erdgrube zum Durchwaten und mit viel Dreck.

Als nächstes dann der Gravity Test, eine Steilkurve mit 10% Steigung und rutschigem Untergrund. Dann ging es in den sandigen Bereich des Runs. Als erstes Loch Nass, ein ca. 80 Meter langer Wasserteich mit eiskaltem Wasser und unebenem Untergrund.
Dann Quicksand, ein sehr steiler und sandiger Berg mit einer Steigung von 50% und nach einem kurzen Waldstück genauso steil wieder runter.

Dann kam mein Horror-Hindernis, der Gulf of Weeze. Das ist ein Wasserloch mit 2 - 2.5m tiefe und einer Schwimmstrecke von ca. 30m. Mutig habe ich mich ins Wasser gestürzt, was mir wegen dem kalten Wasser direkt den Atem nahm und auch die Kraft verliess mich. Einige Leute kehrten um, was mich nicht gerade positiv stimmte. Da ich ein sehr schlechter Schwimmer war musste auch ich nach ca. 1/3 der Strecke abbrechen, da ich ein Absaufen nicht riskieren wollte. Ich hatte sehr grosse Panik und auch das Zurückschwimmen war eine Tortur. So blieb mir nichts anderes übrig, als die Zusatz-Schlaufe von 500m (die sogenannte  Pussy Lane) unter die Füsse zu nehmen. Ich habs versucht, aber mein Leben wollte ich nicht riskieren (tönt wohl ein wenig dramatisch, aber was wäre wenn ...).
Hier die Aufzeichnung von meiner GPS Uhr:
War ich deswegen traurig ? Nein, denn für mich war es keine Schwäche, versucht habe ich es ja und anhand des Bildes könnte man meinen, dass es nur noch ein kleines Stück gewesen wäre. Aber das habe ich in dem Moment anders gesehen. Diese Zusatzschlaufe hatte es auch in sich, steil rauf, dann flach aber uneben, und dann wieder steil runter in einen Sumpf wo mir fast der Schuh stecken geblieben ist. Mit Zusatz-Gewicht ging es zum nächsten Hindernis, dem Canale Grande. Ein ca. 50 Meter langer Kanal mit 50 cm hohem, kaltem Wasser und lehmigen, rutschigen Boden.

Bei km 10 kam das zwölfte Hindernis, the Rock. Ein ca. 6 m hoher Lehmhügel, der aber aufgrund der trockenen Bedingungen nicht so rutschig war. Trotzdem hatten einige da Mühe beim Rauf und speziell beim Runterrennen. Als letztes Hindernis der ersten Runde die Sea of Glory, ein 40 Meter langer Wasserteich mit einer Tiefe von ca. 100 cm.

Knapp 2 km durch sandiges und trockenes Gelände bis zum Ziel und dann auf die 2. Runde. Nach ca. 1 Std 23 lief ich erstmals durchs Ziel. Diese erste Runde hatte es in sich und ich war bereits da schon sehr müde.

Zu Beginn der zweiten Runde gab es noch ein weiteres Hindernis, dem Great Canyon. Auf und ab über viele kleine Bunkeranlagen mit vielen steilen Anstiegen und rutschigen Absteigen hintereinander. Und dann ging das Ganze der ersten Runde wieder von vorne los. Diese vielen Shelter zur Beginn der Runde schlauchten ganz schön.

In der Zwischenzeit hatte sich die ganze Läuferschar weit auseinandergezogen. So hatte ich fast keine Wartezeiten auf der zweiten Runde. Das nützte mir zwar nicht so viel, da ich sehr müde und ausgepumpt war. Trotzdem genoss ich den Lauf sehr und auch das Laufen im Dreck, Schlamm und Wasser machte Spass.



Dann endlich auf der Zielgeraden:


Nach 2h53m13 (erste Runde in 1h23, zweite in 1h30) und 23.4 gelaufenen km (eigentlich über 24 km, wegen Gulf of Weeze) lief ich k.o. aber glücklich durchs Ziel. Dort habe ich mir ein Bier gegönnt, ein Stück Kuchen und noch Tee. Nach Abholung des Finisher Shirts sowie meiner Tasche habe ich auf meine Familie gewartet bzw. sie auf mich. Da es keine Duschen gab bzw. nur ein Wasserschlauch, habe ich mich einfach abgetrocknet und so gut es ging "gewaschen" und dann umgezogen.
Kurz danach sind wir in den Shuttlebus eingestiegen, der uns zum Parkplatz fuhr. Ohne Probleme (kein Stau) fuhren wir kurz nach 16:00 wieder zum Hotel zurück.

Hier noch einige Zahlen:
  • 8'940 Läufer waren gemeldet
  • 6'955 sind an den Start gegangen (einige Abwesenden wohl unfreiwillig nicht am Start wegen Stau)
  • 6'563 haben es ins Ziel geschafft
  • im Zeitlimit von 3h30 (das dann später aufgehoben wurde) haben es "nur" 221 Frauen und 3'636 Männer geschafft

Ich wurde 1'672. von den 6'955 Startenden und mit den 2h53 hatte ich mein Ziel (1. mal Ankommen, 2. unter 3 Std) erreicht. Dabei gilt es zu bedenken, dass ich da mit 18 km gerechnet hatte und nicht mit 23.4 bzw. 24 km!

Es war ein tolles Erlebnis und auch Danke an meine Familie die mich toll unterstützt hat. Nächstes Jahr werden wohl Sabine und ich in der Schweiz starten. Mal sehen ...

Kommentare:

Iwan Borer hat gesagt…

Hallo Rainer

Super gemacht und herzliche Gratulation zu dieser ausergewöhnlichen Leistung.

Gruss Iwan

christrunners hat gesagt…

Hallo Iwan,

Vielen Dank. Es hat super Spass gemacht.

Gruss
Rainer

Kai hat gesagt…

Hallo Rainer,

vielleicht interessiert Sie ja auch dieser Extremlauf: www.laufen-aber-haerter.de in Europas größtem Tagebaugebiet!

Gruß, Kai